Bundesverband zur Förderung der Genossenschaftskultur e.V.
Über uns

Rolle der Genossenschaften

Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Genossenschaften – und warum Genossenschaftskultur heute wichtiger ist denn je.

Genossenschaften sind weder Wohltätigkeit noch klassische Kapitalgesellschaft. Sie sind Unternehmen im Eigentum ihrer Mitglieder – mit demokratischer Steuerung und einem klaren Zweck: die Förderung der Mitglieder. Diese Konstruktion ist robust, aber nicht automatisch lebendig. Ob sie trägt, entscheidet sich in der Praxis – also in der Genossenschaftskultur.

Woher die Idee kommt

Die moderne Genossenschaftsbewegung entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf soziale Not, fehlenden Zugang zu Kredit und die wachsende Marktmacht einzelner Akteure. In England wurden Konsumgenossenschaften zum Vorbild für Regeln wie offene Mitgliedschaft und demokratische Kontrolle. In Deutschland prägten Schulze-Delitzsch und Raiffeisen unterschiedliche, aber verwandte Modelle: urbanes Gewerbe und Kredit auf der einen Seite, ländliche Selbsthilfe und Warengenossenschaften auf der anderen.

Der gemeinsame Kern war immer derselbe: Menschen organisieren sich, um gemeinsam stärker zu sein als allein.

Was Genossenschaften heute leisten

In Deutschland und weltweit prägen Genossenschaften viele Lebensbereiche – von Finanzwirtschaft und Landwirtschaft über Wohnen und Energie bis zu Pflege, Kultur und neuen digitalen Plattformmodellen. In der Praxis zeigen sich besonders drei Stärken:

Langfristigkeit

Entscheidungen sind weniger kurzfristigen Renditezwängen ausgesetzt.

Regionale Wertschöpfung

Mitgliedschaft bindet Unternehmen stärker an Ort und Bedarf.

Teilhabe

Mitbestimmung wird nicht nur behauptet, sondern strukturell ermöglicht.

Was sie von anderen Unternehmensformen unterscheidet

Eigentum und Kontrolle

Die Genossenschaft gehört ihren Mitgliedern. Kontrolle erfolgt über Organe und Verfahren, die grundsätzlich demokratisch angelegt sind.

Zweck statt Renditepriorität

Überschüsse sind Mittel zum Zweck: Rücklagen, Stabilität und konkrete Mitgliederförderung stehen im Vordergrund. Gewinn ist möglich – aber nicht Selbstzweck.

Eine Stimme pro Mitglied

Mitbestimmung hängt nicht von der Höhe der Kapitaleinlage ab. Das schützt vor Investorendominanz – solange Satzung und Praxis diese Logik nicht aushebeln.

Warum Genossenschaftskultur entscheidend ist

Rechtsform und Satzung setzen Rahmen. Ob der Förderzweck im Alltag wirklich zählt, ob Informationen verständlich fließen und ob Minderheiten Gehör finden – das ist Kultur. Ohne Kultur kann eine Genossenschaft formal korrekt, aber innerlich entleert sein.